Beeindruckend und bedrückend: Straßentheaterprojekt in Krautheim

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Inklusiv, interaktiv, spartenübergreifend und multimedial: Unter dem Titel „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ nimmt sich das Projekt ein historisch bedeutendes Ereignis der „Euthanasie“-Verbrechen zum Anlass.

Am 6. Juli 2021 fand um 10 Uhr eine Aufführung des Straßentheaterprojekts des Reutlinger Theater in der Tonne e.V. auf dem Hof des Eduard Knoll Wohnzentrums, Altkrautheimer Str. 21, 74238 Krautheim statt.

Im Jahr 1940 wurden Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen in den berüchtigten „Grauen Bussen“ zum Schlösschen Grafeneck gebracht. Kurze Zeit später erhielten ihre Angehörigen und Institutionen Nachricht vom überraschenden Ableben der deportierten Menschen. Diese erstmals systematisch und in großem Rahmen durchgeführten Massenmorde trug den Decknamen T4. Begründet wurde dieses Vorgehen durch die Nazis damit, dass solche Menschen als Behinderung für die Gesellschaft erschienen, da für ihre Betreuung mehr aufgewandt werden müsse als ihre Arbeitskraft einbrächte. In nur einem Jahr waren es 10.654 Menschen mit Behinderungen aus ganz Baden-Württemberg und über dessen Grenzen hinaus, die auf diese Art in eigens dafür eingerichteten Gaskammern in Grafeneck ermordet wurden.

Auch Krautheim zählt zu den insgesamt 25 Herkunftsorten der Menschen mit Einschränkungen in Baden-Württemberg, an denen der Theaterbus mit dem inklusiven Ensemble, Requisiten, Bühnenbild, etc. die performative Aufführung umsetzt. Über die Form des Straßentheaters können Menschen in den direkt betroffenen Orten von damals auch heute unmittelbar erreicht werden, ohne sich extra in einen Theaterraum zu begeben, erleben unmittelbar die besonderen Begabungen und Persönlichkeiten des Ensembles und die vielfältigen Formen der Umsetzung.

Das Projekt wird durch die LEADER (LAG Mittlere Alb) und von der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“ im Rahmen von „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, den Landkreis Reutlingen sowie durch Daimler Truck gefördert.

Bildquelle: LEADER Regionalmanagement Hohenlohe-Tauber.